Unternehmensverkauf

10 Fragen, die Käufer 2026 schnell stellen – und wie Sie sich gut darauf vorbereiten 

Von: Marco Stricker

Head of Corporate Finance, Co-Head of Mergers & Acquisitions | Prokurist

Der Nachfolge- und Beteiligungsmarkt wird 2026 selektiver sein. In Gesprächen wird deshalb früher und genauer geprüft. Im Fokus stehen Zahlen, Kundenstruktur, Abläufe, Rollen und Planbarkeit.

Damit solche Gespräche nicht zäh werden, hilft es, die häufigsten Fragen vorab zu sortieren und zu wissen, warum sie gestellt werden, was eine gute Antwort ausmacht und welche Unterlagen typischerweise benötigt werden.

Wenn Sie möchten, können Sie den Check auch als kompakte PDF-Checkliste herunterladen.

Inhaltsverzeichnis

    1) Welche 8–12 Kennzahlen steuern das Unternehmen – und wie haben sie sich über 3 Jahre entwickelt?

    Warum diese Frage?

    Käufer möchten schnell erkennen, ob die Entwicklung stabil ist und ob das Unternehmen aktiv gesteuert wird.

    Gute Antwort in der Praxis

    • Eine klare Auswahl weniger Kennzahlen (nicht „alles, was geht“)
    • Entwicklung über 3 Jahre mit kurzer Erklärung der wichtigsten Treiber
    • Einheitliche Definitionen (damit Vergleiche möglich sind)

    Hilfreich als Unterlagen

    • 3-Jahres-Übersicht (1–2 Seiten) mit den Kern-KPIs
    • Monatliche Entwicklung für 12–24 Monate bei den wichtigsten KPIs
    • Kurze KPI-Definitionen („so rechnen wir das“)

    Typischer Stolperstein

    Kennzahlen sind vorhanden, aber nicht vergleichbar (abweichende Logik/Definitionen).

    2) Welche Sondereffekte gab es (einmalige Kosten/Erträge) – und was ist „normal“?

    Warum diese Frage?

    Weil „einmalig“ schnell „dauerhaft“ wird, wenn es nicht sauber erklärt ist – und weil Käufer das Ergebnis in eine nachhaltige Perspektive übersetzen.

    Gute Antwort in der Praxis

    • Benennung der 3–5 wichtigsten Sondereffekte
    • Einordnung: einmalig, wiederkehrend oder teilweise wiederkehrend
    • Konsequenz: Was ändert sich dadurch im Blick nach vorn?

    Hilfreich als Unterlagen

    • Liste der Sondereffekte mit Betrag, Zeitraum und Ursache
    • Überleitung: Ergebnis „mit“ vs. „ohne“ Sondereffekte (kurz und nachvollziehbar)

    Typischer Stolperstein

    Sondereffekte sind über viele Positionen verteilt und werden erst spät entdeckt.

    3) Wie stark hängen Vertrieb, operative Tätigkeiten und Entscheidungen am Inhaber?

    Warum diese Frage?

    Je stärker der Betrieb vom Inhaber abhängig ist, desto höher ist das Risiko beim Übergang – und desto vorsichtiger werden potenzielle Käufer.

    Gute Antwort in der Praxis:

    • Klar benennen, wo der Inhaber heute noch „zentral“ ist.
    • Konkreter Plan, was delegiert/übergeben wird und bis wann.
    • Beispiele: Wer führt Kundengespräche? Wer gibt Preise frei?

    Hilfreich als Unterlagen

    • Übersicht „Wer entscheidet was?“ (z. B. Preisfreigaben, Investitionen, Personal)
    • Liste der Top-Kundenkontakte inkl. zuständiger Personen

    Typischer Stolperstein

    „Läuft alles gut“, aber niemand kann erklären, wie es ohne den Inhaber laufen würde.

    4) Gibt es eine belastbare zweite Führungsebene (inkl. Stellvertretungen)?

    Warum diese Frage? 

    Eine zweite Führungsebene reduziert Übergaberisiken und beschleunigt Entscheidungen. 

    Gute Antwort in der Praxis 

    • 2–4 Schlüsselpersonen mit klaren Verantwortungsbereichen
    • Stellvertretungen sind geregelt (auch für Urlaub/Krankheit)
    • Nachweisbar gelebte Verantwortung, nicht nur Titel

    Hilfreich als Unterlagen

    • Organigramm (einfach, aktuell)
    • Rollenbeschreibungen für Schlüsselrollen (kurz)
    • Beispiele: Welche Entscheidungen trifft die zweite Ebene bereits eigenständig?

    Typischer Stolperstein

    „Zweite Ebene“ existiert formal, aber Entscheidungen laufen weiterhin über den Inhaber.

    5) Wie sehen die Top-10-Kundenanteile aus und wie können Abhängigkeiten reduziert werden?

    Warum diese Frage? 

    Kundenkonzentration ist ein Kernrisiko. Käufer wollen wissen, wie stabil Umsatz und Marge sind, wenn ein Kunde schwächelt oder wegfällt. 

    Gute Antwort in der Praxis 

    • Transparente Top-10-Übersicht (Umsatz/Marge, ggf. Laufzeiten)
    • Einordnung: Warum sind die Kunden stabil? Was sind Risiken?
    • Maßnahmenplan zur Diversifikation (realistisch, messbar)

    Als Unterlagen sind folgende hilfreich:

    • Top-10-Liste inkl. Anteil am Umsatz (und wenn möglich Deckungsbeitrag)
    • Vertrags-/Rahmenvereinbarungsüberblick (falls vorhanden)
    • Pipeline/Neukundenthemen (kurz und faktenbasiert)

    Typischer Stolperstein

    Hoher Anteil einzelner Kunden ohne sichtbare Strategie, um das Risiko zu senken.

    6) Wie stabil ist die Auftragslage (Pipeline, Auftragsbestand, Conversion)?

    Warum diese Frage? 

    Die Planbarkeit ist zentral, denn Käufer wollen sehen, ob der Umsatz von Monat zu Monat „neu erfunden“ werden muss oder ob es eine gewisse Struktur gibt. 

    Gute Antwort in der Praxis 

    • Pipeline-Logik: Wie entstehen Leads/Anfragen und wie werden sie priorisiert?
    • Auftragsbestand und Sichtweite (z. B. 4–12 Wochen / 3–6 Monate)
    • Conversion grob nachvollziehbar (nicht perfekt, aber konsistent)

    Hilfreich als Unterlagen

    • Pipeline-Übersicht (Stufen, Volumen, Wahrscheinlichkeit – pragmatisch)
    • Auftragsbestand/Backlog per Stichtag (und Vergleich zum Vorjahr)
    • Kurze Beschreibung des Vertriebsprozesses

    Typischer Stolperstein

    Die Pipeline existiert, aber ohne klare Kriterien, wodurch alles beliebig wirkt.

    7) Welche Kernprozesse sind dokumentiert und wer ist jeweils verantwortlich?

    Warum diese Frage? 

    Funktionierende Abläufe sind ein Stabilitätsindikator – gerade wenn das Unternehmen wachsen oder übergeben werden soll. 

    Gute Antwort in der Praxis 

    • Die 3–5 wichtigsten Prozesse sind klar beschrieben (oft reicht eine Seite)
    • Rollen und Übergaben sind definiert (wer startet, wer prüft, wer schließt ab)
    • Systeme/Tools kurz benannt

    Hilfreich als Unterlagen

    • Prozesslandkarte (sehr einfach)
    • Einseitige Übersicht je Kernprozess (Input → Schritte → Output → Verantwortlich)
    • Übersicht der verwendeten Systeme (ERP/CRM/Zeiterfassung etc.)

    Typischer Stolperstein

    Prozesse werden gelebt, aber nicht greifbar – Außenstehende können sie nicht beurteilen.

    8) Wie wird die Projekt-/Auftragsmarge nachkalkuliert und gesteuert?

    Warum diese Frage? 

    Weil Wachstum ohne Margenkontrolle teuer wird. Käufer wollen sehen, ob der Ertrag steuerbar ist – und nicht nur der Umsatz. 

    Gute Antwort in der Praxis 

    • Klarer Nachkalkulationsprozess (wann, wer, welche Daten)
    • Erkenntnisse werden genutzt (z. B. Preislogik, Einkauf, Leistungsumfang)
    • Ursachen bei Abweichungen sind benennbar

    Hilfreich als Unterlagen

    • Beispiel einer Nachkalkulation (anonymisiert)
    • Übersicht DB/Marge nach Leistungsart / Kundensegment (falls möglich)
    • Regeltermin/Reporting: Wie häufig wird gesteuert?

    Typischer Stolperstein

    Die Nachkalkulation findet statt, aber ohne Konsequenzen („Wir sammeln nur Daten“).

    9) Welche Investitionen stehen in den nächsten 12–36 Monaten an – mit welchem Zweck?

    Warum diese Frage? 

    Investitionen beeinflussen Cashflow und Wachstum. Käufer wollen verstehen, was notwendig ist – und was damit erreicht werden soll. 

    Gute Antwort in der Praxis 

    • Priorisierte Liste (nicht „alles gleichzeitig“)
    • Zweck und erwartete Wirkung sind klar definiert (Kapazität, Qualität, Effizienz, Wachstum)
    • Zeitplan und grober Budgetrahmen

    Hilfreich als Unterlagen

    • Investitionsplan für 12–36 Monate (Tabelle reicht)
    • Kurze Begründung je Investition (1 Satz)
    • Abhängigkeiten: Was muss vorher passieren?

    Typischer Stolperstein

    Investitionen tauchen „spontan“ auf und wirken wie Überraschungen im Prozess.

    10) Welche drei Maßnahmen hätten den größten Einfluss auf das Ergebnis und die Skalierbarkeit?

    Warum diese Frage? 

    Käufer wollen sehen, ob das Unternehmen seine Hebel kennt und priorisieren kann, also ob eine planvolle Entwicklung möglich ist. 

    Gute Antwort in der Praxis 

    • 3 konkrete Maßnahmen (klarer Startpunkt, klare Wirkung)
    • Messbar beschrieben (welcher Effekt, in welchem Zeitraum)
    • Realistisch im bestehenden Team umsetzbar

    Hilfreich als Unterlagen

    • 12-Monats-Maßnahmenplan (eine Seite)
    • Grobe Effektschätzung (Szenario: konservativ/realistisch)
    • Verantwortliche je Maßnahme

    Typischer Stolperstein

    Zu viele Initiativen parallel ohne Prioritäten und ohne Ergebnisverantwortung.

    Drei Dinge, die Gespräche unnötig verlangsamen

    Zum Schluss drei Klassiker, die in 2026 besonders häufig zu Verzögerungen führen:

    1

    Zahlen sind vorhanden, aber nicht konsistent erklärt (Definitionen/Abgrenzungen wechseln).

    2

    Informationen liegen verteilt und werden im Prozess „zusammengesucht“.

    3

    Das Unternehmen hängt stark am Inhaber, ohne dass es einen klaren Übergabeplan gibt.

    Fazit:

    2026 zählt nicht Lautstärke, sondern Klarheit: Wer diese 10 Fragen sauber beantworten kann, schafft Vertrauen – und erhöht die Chance auf einen passenden Partner und einen strukturierten Prozess.

    Wenn Sie möchten, unterstützen wir Sie dabei, die Inhalte pragmatisch zu ordnen, Prioritäten zu setzen und typische Stolpersteine frühzeitig zu vermeiden.

    Sie haben Fragen?

    Rufen Sie uns gerne an oder vereinbaren Sie ein unverbindliches Beratungsgespräch

    Weitere interessante Beiträge

    Geschäftsmann mit Tablet symbolisiert Unternehmensnachfolge im Mittelstand

    Unternehmensverkauf

    Unternehmensnachfolge im Mittelstand: Ihr umfassender Leitfaden zur richtigen Planung

    11.08.2025 | Marco Stricker

    Beitrag lesen
    Teammeeting symbolisiert Firmenverkauf: Mitarbeiter informieren

    Unternehmensverkauf

    Firmenverkauf: Mitarbeiter und Kunden richtig informieren

    29.04.2025 | Dennis Volter

    Beitrag lesen
    3 Frauen im Meeting besprechen Unterlagen

    Unternehmensverkauf

    Unternehmen verkaufen? Gründe, Ablauf und Tipps für den erfolgreichen Firmenverkauf

    17.07.2025 | Dennis Volter

    Beitrag lesen

    AUTOR

    Marco Stricker

    Head of Corporate Finance, Co-Head of Mergers & Acquisitions | Prokurist

    Marco Stricker verfügt über eine langjährige Erfahrung im Banken- und Leasingsektor sowie im Bereich Corporate Finance. Nach seiner Bankausbildung hat Marco Stricker während seiner insgesamt neunjährigen Tätigkeit bei einer der größten deutschen banken- und herstellerunabhängigen Leasinggesellschaften Erfahrungen in den Bereichen Refinanzierung, Controlling, Kreditanalyse sowie Forderungsmanagement gesammelt. In seiner fast 16-jährigen Tätigkeit bei Conpair betreute Herr Stricker überwiegend Kapitalmarkt- und Eigenkapitaltransaktionen sowie Structured Finance Projekte. Darüber hinaus verfügt er über weitrechende Erfahrung im Bereich von M&A-Transaktionen sowie im Kredit-Monitoring. Der Branchenschwerpunkt seiner Tätigkeit bei der Conpair AG liegt auf dem Industry-Sektor. Im Jahre 2019 erhielt er die Prokura der Conpair AG.


    Unternehmenswert
    berechnen