Unternehmensverkauf

Kaufpreis ist nicht gleich Kaufpreis: Warum die Struktur eines Angebots entscheidend ist

Von: Marco Stricker

Head of Corporate Finance, Co-Head of Mergers & Acquisitions | Prokurist

Bei einem Unternehmensverkauf wird zunächst meist über eine Zahl diskutiert: den Kaufpreis. Das ist verständlich, schließlich ist er ein zentrales Ergebnis des Verkaufsprozesses. Doch in der Praxis zeigt sich immer wieder: Die höchste Zahl ist nicht automatisch das beste Angebot.

Denn neben der Höhe des Kaufpreises ist auch seine Struktur entscheidend. Wird der Betrag vollständig bei Vollzug der Transaktion gezahlt? Gibt es variable Bestandteile? Ist ein Teil an künftige Ziele geknüpft? Bleibt der Verkäufer beteiligt? Oder finanziert er einen Teil des Kaufpreises selbst mit?

All diese Fragen können erhebliche Auswirkungen darauf haben, welcher wirtschaftliche Wert am Ende tatsächlich beim Verkäufer ankommt und welche Risiken nach der Transaktion bestehen bleiben.

Inhaltsverzeichnis

    Warum die Angebotsstruktur immer wichtiger wird

    In Verkaufsprozessen geht es heute um viel mehr als nur um eine reine Unternehmensbewertung. Käufer und Investoren betrachten Unternehmen heute viel differenzierter und strukturieren ihre Angebote entsprechend. Neben einem festen Kaufpreis können variable Komponenten, Beteiligungsmodelle oder Verkäuferdarlehen eine Rolle spielen.

    Für Verkäufer bedeutet das: Zwei Angebote mit derselben Gesamtsumme können sich wirtschaftlich stark unterscheiden.

    Ein Beispiel: Ein Angebot über 10 Mio. EUR kann sehr attraktiv wirken. Wenn davon aber ein erheblicher Teil erst später gezahlt wird, an bestimmte Ergebnisziele gebunden ist oder mit weiteren Verpflichtungen verbunden bleibt, ist es nicht ohne Weiteres mit einem Angebot vergleichbar, bei dem ein größerer Anteil sofort und ohne zusätzliche Bedingungen fließt.

    Genau deshalb sollte ein Angebot nie nur anhand der obersten Zahl beurteilt werden. Wichtig sind die Struktur, die Bedingungen, die Risiken und der zeitliche Zahlungsfluss.

    Vier Kaufpreisbestandteile, die Verkäufer kennen sollten

    1. Fester Kaufpreis

    Der feste Kaufpreis ist der Betrag, der bei Vollzug der Transaktion klar definiert ist und gezahlt wird. Für Verkäufer ist dieser Bestandteil besonders gut planbar, da er nicht von künftigen Entwicklungen abhängt.

    Allerdings ist auch hier der Blick ins Detail wichtig: Käufer bewerten die Chancen und Risiken des Unternehmens und spiegeln diese Einschätzung im festen Kaufpreis wider. Je höher die Unsicherheit aus Käufersicht ist, desto zurückhaltender fällt häufig der feste Anteil aus.

    Für Verkäufer ist der feste Kaufpreis deshalb ein wichtiger Anker, da er zeigt, welcher Teil des Angebots tatsächlich unmittelbar verfügbar und vergleichsweise sicher ist.

    2. Earn-out

    Ein Earn-out bedeutet, dass ein Teil des Kaufpreises erst später gezahlt wird – in der Regel dann, wenn bestimmte Ziele erreicht werden. Das können zum Beispiel Ergebnis-, Umsatz- oder Wachstumsziele sein.

    Dieses Modell kann sinnvoll sein, wenn Käufer und Verkäufer unterschiedliche Erwartungen an die künftige Entwicklung des Unternehmens haben. Der Verkäufer kann an einer positiven Entwicklung teilhaben, während der Käufer das Risiko reduziert, einen hohen Kaufpreis für Potenziale zu zahlen, die sich erst noch bestätigen müssen.

    Wichtig ist jedoch: Ein Earn-out ist nur so gut wie seine konkrete Ausgestaltung.

    Verkäufer sollten besonders darauf achten,

    • welche Ziele genau erreicht werden müssen,
    • wie diese Ziele gemessen werden,
    • welchen Einfluss sie nach der Transaktion noch auf die Zielerreichung haben,
    • welche Entscheidungen künftig beim Käufer liegen,
    • und was passiert, wenn sich Rahmenbedingungen verändern.

    Gerade hier entstehen in der Praxis häufig Diskussionen. Nicht der Earn-out an sich ist problematisch – sondern eine unklare oder einseitige Regelung.

    3. Rückbeteiligung

    Bei einer Rückbeteiligung verkauft der Unternehmer nicht das gesamte Unternehmen, sondern reinvestiert einen Teil des Kaufpreises. Dadurch bleibt er am Unternehmen beteiligt. Dadurch kann er auch nach der Transaktion an der zukünftigen Entwicklung partizipieren.

    Dies kann insbesondere dann von Interesse sein, wenn das Unternehmen stark wächst oder der Käufer und der Verkäufer weitere Entwicklungsschritte gemeinsam planen. Der Verkäufer gibt Verantwortung ab, bleibt aber wirtschaftlich beteiligt.

    Eine Rückbeteiligung kann Chancen eröffnen, beispielsweise durch laufende Ausschüttungen oder einen späteren Weiterverkauf zu einem höheren Bewertungsniveau. Gleichzeitig bleibt sie unternehmerisch geprägt. Wer beteiligt bleibt, trägt auch weiterhin Risiko.

    Deshalb sollten neben der rechnerischen Attraktivität auch die persönliche und strategische Passung betrachtet werden.

    Zentrale Fragen sind:

    • Welche Rolle übernimmt der Verkäufer nach der Transaktion?
    • Wie viel Einfluss bleibt?
    • Welche Informations- und Mitspracherechte bestehen?
    • Wie lange soll die Beteiligung gehalten werden?
    • Welche Exit-Möglichkeiten gibt es?
    • Passt dieses Modell zur persönlichen Lebensplanung?

    Eine Rückbeteiligung ist somit nicht nur ein finanzielles Instrument. Sie ist auch eine Entscheidung darüber, wie stark der Unternehmer nach dem Verkauf noch mit dem Unternehmen verbunden bleiben möchte.

    4. Verkäuferdarlehen

    Bei einem Verkäuferdarlehen wird ein Teil des Kaufpreises nicht sofort gezahlt. Stattdessen finanziert der Verkäufer diesen Anteil zunächst, den der Käufer zu einem späteren Zeitpunkt zurückzahlt.

    Ein solches Modell kann eine Transaktion erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen. Gleichzeitig sollte es sorgfältig geprüft werden, denn der Verkäufer bleibt mit einem Teil des Kaufpreises im Risiko.

    Besonders relevant sind dabei folgende Punkte:

    • Höhe und Laufzeit des Darlehens,
    • Verzinsung
    • Rückzahlungsmodalitäten
    • Sicherheiten
    • Rangstellung gegenüber anderen Finanzierungen
    • mögliche Folgen bei Zahlungsausfällen

    Ein Verkäuferdarlehen kann also sinnvoll sein, sollte aber nie als bloßes „Detail“ im Angebot behandelt werden.

    Warum das höchste Angebot nicht automatisch das beste ist

    Viele Verkäufer neigen verständlicherweise dazu, Angebote zunächst nach der Gesamtsumme zu sortieren. Doch dieser Vergleich greift zu kurz.

    Ein wirtschaftlich besseres Angebot kann auch dasjenige sein, das

    • einen höheren fixen Kaufpreisanteil enthält,
    • weniger Bedingungen vorsieht,
    • realistischere Earn-out-Ziele formuliert,
    • dem Verkäufer eine klare Rolle nach der Transaktion gibt,
    • Risiken fair verteilt,
    • und mehr Transaktionssicherheit bietet.

    Umgekehrt kann ein nominell höheres Angebot weniger attraktiv sein, wenn große Teile davon unsicher, schwer beeinflussbar oder langfristig gebunden sind.

    Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Wie hoch ist der Kaufpreis?“, sondern:

    sondern: „Wie wahrscheinlich, planbar und wirtschaftlich werthaltig ist dieser Kaufpreis?”

    Bevor ein Angebot als gut oder schlecht bewertet wird, lohnt sich ein genauer Blick auf drei zentrale Punkte:

    1. Welcher Anteil des Kaufpreises wird sofort gezahlt?

    Dieser sofort gezahlte Anteil ist für den Verkäufer meist der planbarste Bestandteil. Er schafft Liquidität und reduziert Unsicherheit.

    Wichtig ist aber auch, ob es Anpassungsmechanismen gibt, etwa auf Basis von Working Capital, Nettofinanzverschuldung oder anderen wirtschaftlichen Größen. Auch ein vermeintlich fester Kaufpreis kann sich dadurch noch verändern.

    2. Welche Zahlungen sind an Bedingungen, Zeiträume oder Ergebnisziele geknüpft?

    Variable Bestandteile können attraktiv sein, insbesondere wenn der Verkäufer an einer künftigen Wertsteigerung teilhaben möchte. Sie sollten aber transparent geregelt sein.

    Entscheidend ist, ob die Ziele realistisch sind und ob der Verkäufer nach der Transaktion noch ausreichend Einfluss auf ihre Erreichung hat. Liegen wesentliche Entscheidungen künftig beim Käufer, müssen Zieldefinitionen und Schutzmechanismen besonders sorgfältig formuliert sein.

    3. Welche Rolle und welches Risiko bleiben nach der Transaktion beim Verkäufer?

    Viele Kaufpreisstrukturen hängen eng mit der weiteren Rolle des Verkäufers zusammen. Bleibt er Geschäftsführer? Wird er Berater? Ist er beteiligt? Gibt es ein Anstellungsverhältnis? Wie ist seine Vergütung geregelt?

    All diese Punkte beeinflussen den wirtschaftlichen Gesamtwert des Angebots. Ein höherer Kaufpreis kann weniger attraktiv sein, wenn er mit langen Bindungen, hohem Umsetzungsdruck oder unklaren Entscheidungsrechten verbunden ist.

    Rückbeteiligung und Earn-out: Chance oder Risiko?

    Rückbeteiligungen und Earn-outs werden häufig eingesetzt, um die unterschiedlichen Erwartungen von Käufer und Verkäufer zu überbrücken. Der Verkäufer glaubt an die weitere Entwicklung seines Unternehmens, während der Käufer diese Entwicklung erst dann vergüten möchte, wenn sie tatsächlich eintritt.

    Grundsätzlich kann das für beide Seiten sinnvoll sein. Der Verkäufer bleibt motiviert und kann am Wachstum partizipieren. Der Käufer profitiert von Kontinuität, Erfahrung und einer weiteren Ergebnisverbesserung.

    Gleichzeitig entstehen genau hier die meisten Detailfragen:

    • Wer trifft nach der Transaktion operative Entscheidungen?
    • Welche Investitionen werden getätigt?
    • Welche Kosten werden dem Unternehmen zugerechnet?
    • Wie wird das relevante Ergebnis definiert?
    • Was passiert bei Krankheit, Ausscheiden oder Konflikten?
    • Wann und zu welchen Bedingungen kann die Beteiligung später verkauft werden?

    Deshalb sind klare Regelungen entscheidend. Besonders wichtig sind eine saubere Ergebnisdefinition, transparente Rechte und Pflichten sowie verständliche Good- und Bad-Leaver-Regelungen.

    Die Rolle einer sauberen Vorbereitung

    Ein belastbarer Angebotsvergleich beginnt nicht erst, wenn mehrere Angebote vorliegen. Er beginnt deutlich früher, nämlich mit der sauberen Aufbereitung der wirtschaftlichen Grundlage.

    Dazu gehören unter anderem:

    • eine nachvollziehbare Ergebnisbasis,
    • die Identifikation relevanter Anpassungspositionen,
    • eine klare Darstellung von Sondereffekten,
    • eine verständliche Finanzhistorie,
    • realistische Planungsannahmen,
    • und eine strukturierte Darstellung von Chancen und Risiken.

    Diese Vorbereitung ist entscheidend, da sie die Bewertung des Unternehmens durch potenzielle Käufer und die Formulierung von Angeboten beeinflusst.

    Bei Conpair liegt der Fokus genau darauf: Wir analysieren, ordnen ein und bereiten die relevanten Informationen so auf, dass Unternehmer Angebote besser verstehen, vergleichen und bewerten können. Es geht nicht darum, operative Veränderungen im Unternehmen umzusetzen, sondern Transparenz zu schaffen und eine belastbare Entscheidungsgrundlage für den Verkaufsprozess herzustellen.

    Fazit: Nicht die höchste Zahl entscheidet, sondern das wirtschaftlich belastbarste Angebot.

    Ein Kaufpreis ist mehr als eine Zahl. Er setzt sich aus Zeitpunkt, Bedingungen, Risiken, Rollen und Erwartungen zusammen.

    Deshalb sollten Verkäufer Angebote nie nur anhand der Gesamtsumme vergleichen. Entscheidend ist, welche Bestandteile tatsächlich sicher fließen, welche Zahlungen von künftigen Entwicklungen abhängen und welche Verpflichtungen nach der Transaktion bestehen bleiben.

    Ein gutes Angebot zeichnet sich durch eine Kombination aus Bewertung, Struktur, Bedingungen und Transaktionssicherheit aus – nicht allein durch die höchste Zahl.

    Wenn Sie ein Angebot nicht nur nach der Höhe, sondern auch nach seiner wirtschaftlichen Qualität einordnen möchten, sprechen Sie uns gerne an.

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    Rufen Sie uns gerne an oder vereinbaren Sie ein unverbindliches Beratungsgespräch

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    AUTOR

    Marco Stricker

    Head of Corporate Finance, Co-Head of Mergers & Acquisitions | Prokurist

    Marco Stricker verfügt über eine langjährige Erfahrung im Banken- und Leasingsektor sowie im Bereich Corporate Finance. Nach seiner Bankausbildung hat Marco Stricker während seiner insgesamt neunjährigen Tätigkeit bei einer der größten deutschen banken- und herstellerunabhängigen Leasinggesellschaften Erfahrungen in den Bereichen Refinanzierung, Controlling, Kreditanalyse sowie Forderungsmanagement gesammelt. In seiner fast 16-jährigen Tätigkeit bei Conpair betreute Herr Stricker überwiegend Kapitalmarkt- und Eigenkapitaltransaktionen sowie Structured Finance Projekte. Darüber hinaus verfügt er über weitrechende Erfahrung im Bereich von M&A-Transaktionen sowie im Kredit-Monitoring. Der Branchenschwerpunkt seiner Tätigkeit bei der Conpair AG liegt auf dem Industry-Sektor. Im Jahre 2019 erhielt er die Prokura der Conpair AG.


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